Bergwiesen im Naturparkgebiet

Bergwiesen kommen im Bergland, etwa ab der 500 Meter Höhenlinie vor; sie gehören zur Gruppe der Frischwiesen. Diese ökologisch-geographische Einordnung kann vegetationskundlich noch verfeinert werden. Danach werden nur ganz bestimmte artenreiche Wiesentypen als Bergwiesen bezeichnet, die zur Gruppe der Goldhafer-Bergwiesen gehören. Aufgrund der klimatischen Bedingungen im Gebirge (kurze Vegetationsperiode, hohe Niederschläge, geringe Jahresmitteltemperaturen) werden die Bergwiesen vergleichsweise extensiv bewirtschaftet. Dadurch werden konkurrenzschwache Arten gefördert.


So ergibt sich nutzungs- und standortsabhängig ein abwechslungsreiches Bild gras- und krautreicher Wiesen von mittelhohem Wuchs und nicht zu dichter Struktur, die im Vergleich zwischen den hochwüchsigen Glatthaferwiesen des Tief- und Hügellandes und den niedrig- und lockerwüchsigen Borstgras-Magerrasen liegen. Die Bewirtschaftung, die für alle Wiesen den Struktur- und damit werterhaltenden Kulturfaktor darstellt, muss vergleichsweise extensiv erfolgen. Typisch ist eine Heumahd des ersten Aufwuchses. Je nachdem wie hoch das Ertragspotenzial des Bodens ist, wie die sommerliche Witterung und in welcher Höhenlage sich die Wiese befindet, können nach dem ersten Aufwuchs ein bis zwei weitere Aufwüchse - entweder wiederum als Mahd oder als Nachbeweidung - genutzt werden.


Während der historischen Bewirtschaftungsweise wurden die Bergwiesen nur spärlich gedüngt, wenn, dann meist in den siedlungsnahen Bereichen. Da gegenwärtig mit den Niederschlägen etwa so viel Stickstoff in die Böden eingetragen wird wie vor 100 Jahren auf den Äckern als Dünger ausgebracht wurde, ist eine ertragssteigernde Düngung der blütenbunten Bergwiesen aus ökologischer Sicht nicht notwendig. Gelegentlich kann gekalkt werden, um einer Versauerung entgegenzuwirken. Die sächsischen Bergwiesen wurden bisher nur von HUNDT (1964) zusammenhängend analysiert.

Autor: Dr. Wolfgang Böhnert
Böhnert, Wolfgang (2001): Blütenbunte Bergwiesen im Naturpark “Erzgebirge/Vogtland” IN: Naturpark SPEZIAL 4