Streuobstwiesen im Naturparkgebiet

Als Streuobst werden alle mittel- und hochstämmigen Obstbäume bezeichnet, die als Einzelbäume, in Gruppen, Baumreihen oder auf größeren Flächen wachsen. Lucke et al. (1992) geben folgende Definition: “Im Allgemeinen großwüchsige Bäume verschiedener Obstarten, Sorten und Altersstufen, die auf Feldern, Wiesen und Weiden in ziemlich unregelmäßigen Abständen gewissermaßen -gestreut- stehen”. Dafür kommen nur hochstämmige Obstbäume ab einer Stammhöhe von 1,6 Meter in Betracht.


Der Begriff “Streuobst” oder auch “Streuobstwiese” ist verhältnismäßig jung. Er wurde erst in den 1950iger Jahren geprägt. Früher sprachen die Menschen von Obstgärten. Der Boden war das kostbarste Gut der Menschen - jeder Quadratmeter musste zum Anbau von Nahrungsmitteln ausgenutzt werden. Die Hochstammobstbäume ermöglichten die Bewirtschaftung der Flächen auf zwei Etagen. Wurde der Boden als Weide oder Wiese genutzt, trugen die Obstbäume zur Versorgung mit vitaminreichen Früchten bei.


Bemerkenswert ist, dass die Bauern Sorten pflanzten, die unter den rauen klimatischen Bedingungen im Erzgebirge gut wuchsen und zuverlässige Erträge einbrachten. Die Art der Verwendung bestimmte, welche Sorten im Obstgarten wuchsen. So eignen sich Renetten, wie Baumann’s Renette oder Rote Sternrenette besonders als Tafelobst, Schöner von Boskoop und Grahams Jubiläumsapfel sind beliebte Backäpfel und der Rheinische Bohnapfel ist eine begehrte Mostsorte. Darüber hinaus wurden die Früchte zu Marmelade und Kompott eingekocht sowie gedörrt und gelagert. Von dieser Vielfalt können wir heutzutage bei einem Blick in die Supermarktregale nur träumen - maximal sechs bis sieben verschiedene Apfelsorten aus dem Planatagenanbau werden wir dort finden.


Im September und Oktober, wenn die Früchte reifen, veranstalten die Landschaftspflegeverbände im Naturpark viele Streuobstthementage. Der LPV “Zschopau-/Flöhatal” e.V. lädt jedes Jahr am 03. Oktober zu seinem traditionellen Apfeltag in die Naturschutzstation Pobershau ein. Die dortige Apfelausstellung wird dann durch einen Obstkundler, dem so genannten Pomologen, bereichert. Bringen die Besucher Früchte von ihren Bäumen mit, kann der Pomologe Auskunft zur Sorte, zum Wuchsverhalten der Bäume und zu Möglichkeiten der Verwendung geben.


Mitte Oktober organisiert auch der LPV “Mulde-Flöha” in Großwaltersdorf am Kartoffellager seine alljährliche Apfelsortenausstellung. Das Gelände bietet dort ausreichend Platz zum Aufstellen einer mobilen Mosterei. Ist der Kofferraum bei der Anreise mit Früchten gefüllt, nehmen die Obstbaumbesitzer bei der Abreise nur noch mit Saft gefüllte Bag In Box-Kartons mit.


Jedes Jahr am 31. Oktober findet auf dem Riedelhof in Erlbach/Eubabrunn die so genannte Kernobstmesse statt. Dann werden auf dem restaurierten Vierseitenhof nicht nur hunderte verschiedene Apfelsorten ausgestellt, im Obergeschoss gibt es auch die Vielfalt der Kürbisse zu bestaunen. Unter ständiger Belagerung befindet sich der Apfelhändler aus Oelsnitz/Erzg., denn es kommt heute nicht mehr oft vor, dass man beim Kauf aus mindestens 25 verschiedenen Apfelsorten wählen kann.

Besuchen Sie eine der mit viel Enthusiasmus organisierten Veranstaltungen, Sie werden begeistert sein:

http://www.lpv-pobershau.de/ und http://www.riedelhof.de